Es lebt! – Frühlingserwachen bei den Honigbienen

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Viele haben mich in letzter Zeit gefragt, wie es den Bienen geht, was gerade bei ihnen passiert und woher ich das weiß. Ich wollte gerade ganz trocken ausholen vom Ist-Stand zu berichten, aber siehe da, das Wetter spielt mir in die Hände: Die Bienen fliegen (schon zum zweiten Mal), aber ich bin das erste Mal Zeuge. Heute waren es 15 Grad, das ist der Startschuss für die Bienen, obwohl erst Mitte Februar ist.

Woher weiß ich, dass sie schon mal geflogen sind in den letzten Tagen? Sie haben tote Bienen vor die Tür gekehrt und eine Biene war auf dem Anflugbrett verklammt.

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Verklammen:

Honigbienen sind wechselwarme Tiere. Die Körpertemperatur wechselwarmer Tiere entspricht nahezu der Temperatur der Umgebung. Im Bienenvolk ist es durch das Wärmen des Brutnestes relativ warm. Die Bienen können aufgewärmt problemlos zum Ausflug starten. Landen sie dann jedoch auf kalten Flächen, sammeln an kalten und vielleicht sogar feuchten Blüten insbesondere in Bodennähe, verlieren sie womöglich so viel Wärme, dass sie nicht wieder starten können. In der Folge verklammen sie und gehen ein. Selbst Bienen, die auf dem Rückflug zum Bienenstock auf dem kalten Boden oder im feuchten Gras vor dem Stockeingang landen, verklammen schnell und schaffen nicht mehr die Rückkehr ins wärmende Volk.

Quelle: https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/bienenkunde/aktuelles/honigbienen-verklammen-und-sterben-vor-dem-flugloch-153634.html

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Allerdings darf ich mich  nicht zu früh freuen, denn die Gefahr ist noch nicht vorbei. Der Winter ist noch nicht vorbei.  Weil es so warm ist, besteht die Gefahr, dass die Bienen jetzt schon mit dem Brüten anfangen und dann verbrauchen sie sehr viel mehr Futter. Auch kommt es unter solchen Bedingungen eher zum Futterabriss, das heißt, die Bienen haben noch volle Vorratskammer, sie kommen aber nicht mehr dahin. Zum Beispiel, wenn es auf einmal wieder zu kalt wird und die Wintertraube zu weit von den Vorräten Platz genommen hat. Wenn die Bienen brüten bleiben sie auch auf dem Brutnest, weil sie die Brut warm halten wollen und auch dann kommt es vor, dass sie sich nicht raus nehmen zum Futter zu laufen und trotz voller Vorräte verhungern.

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Aber ich habe mich sooooo gefreut meine Bienen fliegen zu sehen, noch mehr, als über die ersten Blüten des Jahres. Weil es mein erster Bienenwinter ist, war ich ziemlich nervös. Mir wurde gesagt, dass durchschnittlich 1/3 der Bienen  es nicht durch den Winter schafft. Da ich nur 1 Volk habe, ist das Risiko für mich natürlich um so größer, denn ich kann den Verlust nicht selbst ausgleichen. Die Beschaffung neuer Bienen wäre verhältnismäßig aufwändig, weil meine Imkerfreunde nicht im gleichen Bezirk sind. D.h. für Bienen von ihnen brächte es wieder ein Gesundheitszeugnis. Außerdem darf ja nicht eingeführt werden, so lange ich im Sperrbezirk bin und das ist ja bis mindestens April der Fall.

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Ich habe also immer geguckt, wie es meinen Bienen geht. Aber ich konnte nur ihre Spuren lesen, das Volk selbst konnte nicht sehen. So wusste ich schon, dass meine Bienen noch leben, aber es ist trotzdem etwas ganz anderes sie fliegen zu sehen.  Also was habe ich gemacht?

Ich habe mir eine “Windel” gekauft, vorher hatte ich nur eine selbst gebastelte aus Pappe und Duct Tape. Die hat durchaus ihren Zweck erfüllt, aber nicht so gut. Denn sie wurde feucht und ließ sich nicht richtig reinigen, deshalb konnte ich auf ihr nicht so gut lesen. Über die Funktionsweise der “Windel” und der “Gemüllediagnose” habe ich ja schon mal letztes Jahr berichtet. Jetzt sah das Bild so aus:

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Man sieht hier den Abrieb durch die Tätigkeiten der Bienen im Muster der Wabengassen. Daran kann man 1. sehen, dass die Bienen tätig sind, also leben und 2. man kann sehen, wie groß die Wintertraube ist. Ich sehe hier Abrieb auf 6-7 Wabengassen, das  heißt, dass mein Bienenvolk auf so vielen Waben sitzt und die Wabendeckel weg knuspert, um Nahrung aufzunehmen. Und das sagt mir auch, dass die Wintertraube recht groß ist und das ist super. Denn eine große Traube heißt, das Volk ist zahlenmäßig stark, das macht das Überleben wahrscheinlicher. Denn eine große Traube kann sich besser warm halten und so besser durch die Beute Richtung Futter wandern.

Ganz außen sieht man Wasser stehen, das ist herunter getropftes Kondenswasser. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Bienen brüten, was mir jetzt noch gar nicht recht ist. Aber ich kann’s auch nicht ändern.

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Dunkles älteres Wachs und jüngeres helles Wachs. Ich kann so sehen, wie sich die Traube im Stock bewegt. Und wo gerade aktuell gefressen wird. Dieses Gereibsel wurde in 2 Wochen produziert. Wenn ich mir die Windel angucke, mache ich sie nach dem Spurenlesen sauber, damit wieder neue Spuren drauf rieseln.

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Und hier ein weniger erfreulicher Anblick: Die dunklen runden Punkte sind Varroa-Milben. Wegen meiner mangelnden Erfahrung weiß ich nicht, wie ich das einschätzen soll. Ich war erst mal sehr besorgt und irritiert, weil nach der Oxalsäurebehandlung in der Woche vor Weihnachten nicht sehr viel mehr Milben gefallen sind, als hier in 2 Wochen. Ich dachte ich hätte den Bestand so minimiert, das das so nicht möglich wäre. Der Grund für die Sorge ist, dass wenn jetzt so viele Varroen fallen, dann gibt es zu früh zu viele im Volk. Dann starten sie im Frühjahr zu schnell durch und überholen in ihrer Entwicklung die Bienen und dadurch könnte mein Volk zusammenbrechen, bevor ich sie im Sommer mit der Ameisensäure behandeln kann. Aber wie gesagt, ich kann nicht einschätzen, was  zu dieser Zeit des Jahres “zu viel” ist.

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Um zu prüfen, ob die Bienen noch genug Vorräte haben, wiege ich die Beute. Dafür habe ich mir eine Zugwaage gekauft. Ähnlich wie eine Kofferwaage, nur dass sie bis 50 Kilo verkraftet und deutlich größer ist. Ich hake sie links und rechts ein und wiege beide Seiten, dann addiere ich beide Ergebnisse und habe das Gesamtgewicht. Letzte Woche wog die Beute immer noch 30 Kilo. Also sie ist sehr voll.

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Im Garten fällt mir noch eine weitere Tierspur besonders auf. Denn  dieses Tier verteilt überall im Garten leere Nussschalen. Besonders auffällig sind dabei die Walunssschalen, denn ich habe selbst gar keine Walnüsse. Sie sind überall:

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Ein paar Haselnuss-Büschel sind auch dabei. Das erklärt, wo immer meine Nüsse hin verschwinden, ich hab noch nie was von meinem Busch abgekommen. Hm…… was ist das?

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Die verbliebenen Äpfel sind auch sehr beliebt, das oben war glaube ich eher  ein Vogel, es sieht so zerpickt aus, aber das unten sieht genagt aus. Ein richtig schöner Apfelgriepsch.

Auf meiner Nussschalen-Suche auf dem dunkelbraunen Boden unterm Kirschbaum leuchtet mir das entgegen.

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Es ist Gummifluss von meiner Süßkirsche. Das macht sie schon seit einigen Jahren an diesem Ast. Es ist eine Abschottungsreaktion, weil etwas damit nicht stimmt. Wegen Krankheit wurde der Baum dort schon beschnitten, aber der Baumfritze hat da mit Absicht einen Stummel stehen lassen und auch erklärt warum. Aber ich glaube ich werde da noch mal nachfragen. Das ist ja nicht gerade wenig Harz gewesen.

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Die Blümelein sie schlafen, auch ohne Mondenschein schon……..

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3 Comments

  1. Hallo,
    den Beitrag habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich hätte nicht gedacht, dass Bienen schonso früh fliegen. In meinem Garten blühen Krokusse, Winterlinge und Winterheide auch üppig, aber eine Biene oder Hummel habe ich dort noch nicht gesehen.
    Wegen der Varoa-Milben lies doch mal hier nach: https://www.wir-sind-tierarzt.de/2018/01/varroa-behandlung-neue-mittel-leipzig/
    Auch andere Beiträge im Internet von Dr. Ilka Emmerich von der UNI Leipzig sind interessant. Vielleicht kann Dir das weiterhelfen.
    Das letzte Bild ist witzig, erinnert mich an Schopftintlinge, auch wenn die reinweiß sind.
    Wegen der Nussschalen tippe ich auf Eichhörnchen. Das hat in meinem Garten immer die Haselnüsse geplündert und auch Walnüsse nicht verachtet.

    Karin

    • sas

      Februar 26, 2019 at 8:20 pm

      Hallo,
      Dankeschön!Ja ich würde sagen das ist dieses Jahr ach extrem früh mit den Bienen und ich glaube sie fliegen ach einfach nicht so weit. Sie grasen erst mal ab was direkt vorm Stock liegt, sie können nicht so weit fliegen, wegen des Wärmeverlustes. Kennst du überhaupt jemanden, der bei dir in der Nähe Bienen hat? Danke für den Link zur Varroa, ich habe die Entwicklung verfolgt. Mir wird immer viel zugetragen über meinen Imkerpaten. Die Pestizide durch die die Bienen am Flugloch krabbeln müssen sind aber echt gruselig. Solchen Honig würde ich nicht essen wollen. Das Hopfenprodukt würde mich interessieren. Dazu gibt es auch schon Studien vom Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf.
      https://media.repro-mayr.de/28/646228.pdf
      Ja, Eichhörnchen? Etwas wohnt im Kompost und hat für seine Winterhöhle den halben Kompost ausgeworfen. Vor ein paar Tagen habe ich das Kaminholzregal auseinander nehmen und neu einstapeln müssen. Überall in den Zwischenräumen lagen ausgefressene Kirschkerne:-)

      lg

      • Hallo,
        ich kenne keinen Imker in meiner Nähe. Eine Bekannte hat mich auf die Arbeit von Dr. Ilka Emmerich aufmerksam gemacht, nachdem wir über Deinen Beitrag gesprochen haben.
        Wenn das Nüsse knabbernde Tierchen in Deinem Kompost wohnt, ist es wohl eher kein Eichhörnchen. Die leben doch in Kobeln, die sie in Bäumen bauen. Höhlenbauende Tiere sind Eichhörnchen nicht. Vielleicxht hast Du ja ein Erdhörnchen :-) (ist nicht ernst gemeint).

        lg
        Karin

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