Fledermausfotos mit freundlicher Genehmigung von Christoph Prochotta

Diesen Herbst hatte ich das Vergnügen beim Fledermausmonitoring dabei sein zu dürfen. Das Monitoring ist das Überwachen der Bestände in Größe und Artzusammensetzung an bestimmten Orten oder über bestimmte Routen, zb. bei wandernden Arten. Die Tiere werden auch gewogen, um Rückschlüsse auf ihren Gesundheitszustand zu ziehen und sie werden auf Parasiten untersucht. Diese Fledermäuse wurden auch beringt, genau so, wie auch Vögel beringt werden.

Diese Aktion war öffentlich und Teil der Öffentlichkeitsarbeit vom Nabu und dem Schutzgebiet, in dem die Fledermäuse gefangen wurden. Nur ganz wenige Experten haben aber für das betreffende Bundesland eine Fangberechtigung und dürfen diese Arbeit praktisch ausführen, während alle anderen gucken dürfen.

Und wie läuft so etwas ab?

Alle Fledermausfotos mit freundlicher Genehmigung von Christoph Prochotta

Zu Einbruch der Dunkelheit werden die Fangnetze an den vermuteten Flugschneisen aufgestellt. Sie sind 5 Meter hoch und noch um einiges breiter. Das Material ist ein ganz dünnes Netz, vom Material so dünn wie eine Strumpfhose aber schon eher netzartig als gewoben.

Am erfolgreichsten fängt hier der frühe Vogel, denn die Fledermäuse können mit etwas Mühe und besonders bei Wind die Netze dennoch wahrnehmen. Die Experten haben den Eindruck, dass die Fledermäuse eine geringere Wahrnehmungsfähigkeit zeigen, wenn sie gerade aus dem Bett gepurzelt sind und zum nächtlichen Frühstück ihr Versteck verlassen.

Aber nun heißt es erst einmal warten. Warum ist hier ein guter Standort für das Netz? Hier gibt es alles, was die Fledermäuse suchen: In unserem Rücken liegt das Dorf, mit alten Scheunen und Dachböden, Schuppen, Fensterläden, in denen sie wohnen. Und geradezu ist ein Havel-Altarm mit vielen Wasserinsekten und drumherum ist Naturschutzgebiet und Richtung Dorf gibt es noch Viehweiden. Durch diese hohle Gasse müssen sie kommen.

Aber woher weiß man, das überhaupt Fledermäuse da sind, wenn man sie nicht gerade fliegen sieht? Man kann sie hörbar machen mit Hilfe eines Bat-Detectors. Das ist ein kleines Gerät mit Ultraschallmikrifon, bei dem man ähnlich wie bei einem Radio die Frequenz einstellen kann, nach der man horcht. Die Arten rufen nämlich in unterschiedlichen Frequenzbereichen. Wenn eine Fledermaus ruft, wandelt es das Gerät in Knack-Geräusche, die sich ein wenig wie bei einem Geigerzähler anhören. Das kann man hier unten im Video anhören.

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https://www.youtube.com/watch?v=3L4-tszZ1Xs
Eine Rauhautfledermaus, guckt ein bisschen erschrocken.

Hier ist schließlich eine Rauhhautfledermaus ins Netz gegangen. Obwohl wie viele Tiere hörten und sahen, war das fangen nicht so ergiebig. Das Tier ist laut Experte ein Tier aus diesem Jahr. Es wurde gewogen und vermessen und anschließend beringt. Alle Daten wurden festgehalten und wandern später in eine Datenbank.

Allgemein kann man sagen, dass es an diesem Abend relativ wenige Fledermäuse waren. Das hat vermutlich mit der Trockenheit zu tun, die bedingt, dass es weniger Mücken gibt, eine der Hauptbeutearten vieler Fledermäuse.

Was wir für Fledermäuse im Garten tun können:

Einige Fledermausarten lassen sich auch in Gärten beobachten. Dafür braucht es aber die Lebensgrundlagen: Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung. Als Unterschlupf können Baumhöhlen, abstehende Rinde, offene/ halboffene Gebäude, wie alte Schuppen oder Dachböden dienen. Einige Fledermäuse nächtigen sogar hinter Fensterläden. Wenn man das alles nicht zu bieten hat kann auch ein spezieller Fledermauskasten helfen. Wichtig ist aber auch hier die richtige Höhe des Unterschlupfes.

Die meisten Fledermausarten müssen sich beim Ausflug zunächst fallen lassen, um in den Flug zu kommen. Deshalb müssen die Kästen mindestens 2 Meter über Boden aufgehängt werden. Höher ist aber immer besser. Denn je höher der Kasten hängt, desto mehr Fledermausarten können ihn nutzen. In der Ausflugsschneise dürfen sich keine Hindernisse befinden. So ein Hinderniss kann schon ein Ast sein. Bauanleitungen für solche Kästen lassen sich im Internet vielerorts finden.

Ich war gerade auf einer Fachtagung zum Säugetierschutz, wo ein Fledermausexperte über wichtige Kriterien bei künstlichen Fledermausbehausungen sprach und er sagte folgendes zu Holzkästen und Holzkästen im Eigenbau:

Problematisch sind Bauanleitungen die den Kasten über einen Holzstab am Rücken aufhängen, noch problematischer, wenn dieser halb ausgefräst ist, so dass er in das Dach greift. Diese Teile sind extrem witterungsanfällig, bzw. Letzteres lenkt den Niederschlag auf das Dach, das dann schneller weg gammelt. Der Kasten könnte dann im schlimmsten Fall mit Wochenstubenbesatz runter fallen. Das Dach muss auch nicht vorne weit überstehen, das wäre funktionslos. Dafür verkleidet er die Eigenbau-Holzkästen komplett mit Dachpappe und macht oben ein Blech als Schutzdach drüber. Die Aufhängung erfolgt mit einem langen Flachverbinder und Schrauben. Wichtig ist auch immer die Anrauhung des Innenleben des Kastens, damit sich die Fledermäuse halten können. Sägerauh allein reicht nicht aus. Es sollten Rillen je nach Art alle 1-2 cm gefräst/ gesägt werden. Bei 1 cm können auch die großen Aren nutzen, ohne dass die kleine ausgeschlossen sind. Häufig ist bei gekauften Kästen oder bei der Bauanleitung nur die innere Rückwand und das verlängerte Anflugbrett angeraut. So kann aber nur 1/4 des Kastens von den Fledermäusen gentuzt werden. Es empfiehlt sich daher alle innen liegenden Flächen mit Rillen zu versehen. Holzkästen und nicht selbst reinigende Fledermauskästen müssen regelmäßig gewartet werden. Selbstreinigende Kästen haben unten einen Flugschlitz/ sind nach unten offen, so dass der Kot raus fallen kann und sich nicht aufstaut. Aber auch das ist ein wieder ein kritischer Punkt: Die Größe des Flugschlitzes. Ist dieser zu groß oder zu weit offen, wird die künstliche Höhle nicht belegt. Ich glaube mich zu erinnern, dass er sagte 2,5 cm an der weitesten Stelle, damit auch trächtige Tiere ausfliegen können, die Weite muss aber nicht über die ganze Fläche so groß sein, es reicht eine Aufweitung.

Besser als Material, weil witterungsbeständig und atmungsaktiv, ist Holzbeton. Nachtteil dieses Werkstoffes: Er ist sehr schwer und dementsprechend stabil muss die Befestigunggsgrundlage sein. Viele fertig zu kaufende Fledermauskästen verschiedener Hersteller sind aus Holzbeton, aber auch hier gibt es einige Modelle die schlechter angenommen werden als andere. Er zeigte viele Modelle und erläuterte seine Erfahrungen in der Praxis mit ihnen. Einige, die sehr gut funktionierten konnte ich mir merken- Angaben ohne Gewähr- Leider sind alle im Vergleich zum Selbstbau sehr teuer. Ich kriege kein Geld o.Ä. dafür, dass ich das hier zeige, ich möchte nur meine Informationen im Sinne der Sache teilen.

Es gibt auch verschiedene Steine und Dachziegel, die sich in Wände und Dächer verbauen lassen, um die Fassade und das Dach fledermausfreundlich zu gestalten:

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zu kaufen bei naturschutzbedarf-strobel.de

Im Winter suchen Fledermäuse alte Keller oder Kartoffelmieten gerne als Winterquartier auf, wenn sie kühl, feucht und besonders wichtig frostfrei sind. Genauso wichtig ist ein ausreichendes Nahrungsangebot. Alle in Mitteleuropa vorkommenden Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten. Das heißt, ein insektenfreundlicher ein Garten macht es wahrscheinlicher zum Jagdrevier einer Fledermaus zu werden. Besonders relevant sind logischerweise die nachtaktiven Insekten, wie die Gammaeule, verschiedene Spannerarten oder das Taubenschwänzchen, die zu den Nachtfaltern gehören.

Eulenfalter
Gammaeule

Das Bewusstsein vieler Gartenbesitzer in Richtung insektenfreundliches Pflanzen wurde in den letzten Jahren bereits geschärft.

Beim fledermausfreundlichen Garten kommt es aber nicht primär darauf an, nur nachtattraktive Blüten für die nächtlichen Bestäuber anzupflanzen, sondern vielmehr sind die Nahrungspflanzen der Larven dieser Insekten im Fokus. Manche Nachtfalter nehmen als geschlechtsreifes Tier gar keine Nahrung mehr auf, weil sie verkümmerte Mundwerkzeuge haben. Die Raupen dagegen scheinen unersättlich. Dabei ist die Nahrungspflanze der Raupen höchst selten der Nektarlieferant für den Falter, wenn sie zu den Arten gehören die auch adult noch Nahrung aufnehmen. Für viele spezialisierte Arten ist es ein Problem, wenn Nektarlieferant und Futterpflanze der Raupen nicht in räumlicher nähe zueinander stehen.

Zur Veranschaulichung folgen hier drei Beispiele, von Insekten, die gerne von Fledermäusen gefressen werden:

Beispiel Abendpfauenauge:

Die Raupen fressen vor allem an schmalblättrigen Weiden wie beispielsweise an Korb-Weide (Salix viminalis), Bruch-Weide (Salix fragilis), Ohr-Weide (Salix aurita), Asch-Weide (Salix cinerea) und Sal-Weide (Salix caprea). Man findet sie aber auch an Pappeln (Populus), selten auch an Birken, Apfelbäumen und anderen Obstbäumen.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4c/Smerinthus_ocellatus_MHNT_CUT_2010_0_330_Autouillet%2C_Yvelines%2C_France%2C_male_dorsal.jpg

BildquelleVon Didier Descouens – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=78382049

Als erwachsenes Tier frisst das Abendpfauenauge nichts mehr.

Beispiel mittlerer Weinschwärmer:

Der mittlerer Weinschwärmer ist ein sehr aufälliger Nachtfalter, den ich auch schon im Garten gefunden habe. Die Raupen des tag- und nachtaktiven Schwärmers findet man an Weideröschen-Arten (Epilobium spec.) und  Springkraut-Arten (Impatiens spec.), auch am drüsigen Springkraut (Impatiens glandulifera). Auf Fuchsien haben die Raupen des m. Weinschwärmers jedoch besonders großen Appetit, wo sie in kurzer Zeit Kahlfraß verursachen können. Eher selten findet man sie an Kulturwein oder an Wildem Wein. 

Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor)
Bildquelle: Von jean pierre Hamon (14) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2845396

Die geschlechtsreifen Falter suchen Nektar an Geißblattarten (Lonicera spec.), Nachtkerzen (Oenothera spec.), Seifenkraut (Saponaria spec.) und Phlox (Phlox paniculata).

Beispiel Maikäfer

Engerlinge ernähren sich während ihrer 4 jährigen Entwicklung im Boden von Pflanzenwurzeln, dabei sind sie wenig wählerisch. Die aus der Erde geschlüpften ausgewachsenen Käfer fressen die Blätter von Laubbäumen. Für Gärtner relevant sind eher die Feldmaikäfer, denn sie nutzen auch Obstbäume. Die frisch aus der Erde geschlüpften Maikäfer fressen ca. vier bis sieben Wochen lang fast ununterbrochen (sog. Reifungsfraß). Im Garten fressen sie am Laub von Haselnuss, Apfel, Birne, Kirsche und weiterem Steinobst.

Nächtliche Blüten:

Nächtliche Bestäuber suchen Blüten mit besonderen Eigenschaften. Nachtfalter werden in erster Linie von der reflektierten UV-Strahlung der nachtblühenden Blüten angezogen, aber auch von ihrem Duft. Einige dieser Pflanzen öffnen in Anpassung an die nächtliche Bestäubung ihre Blüten erst nach Einbruch der Dämmerung (z.B. Nachtkerze) oder strömen erst dann ihren betörenden Duft aus (z.B. Seifenkraut). Hier auf der Seite des NABU gibt es eine ausführliche Liste geeigneter Pflanzen für einen fledermausfreundlichen Garten. In der Galerie gibt es eine kleine Auswahl von denen, die ich in meinem Garten gefunden habe.

Teich oder Regentonne?

Fledermäuse brauchen Wasser. Einerseits weil sie selbst trinken müssen, andererseits weil sie am Wasser viel Nahrung finden. Fledermäuse suchen Wasserquellen häufig auf und trinken sehr viel, weil ihre Flugmembran eine große Verdunstungsfläche ist. Häufig ist es eine der ersten Dinge, die sie tun, wenn sie Nachts aus ihrem Versteck kommen.

Fledermäuse trinken im Flug, in dem sie knapp über die Oberfläche gleiten und sich mit geöffnetem Mund das Wasser rein schaufeln. Die Wassertonne oder der 1 Quadratmeter-Miniteich sind deshalb nicht die Art von Wasserflächen, die zum Trinken genutzt werden. Nur wenige Gärten haben so große Teiche. Aber das macht nichts, denn egal wie klein, als Brutstätte für Insekten, insbesondere Mücken, leisten auch Miniteiche und Regentonnen ihren Beitrag. Aber das natürlich nur, wenn man die Larven nicht vorsorglich mit einer Eiweißtablette ins Jenseits befördert. in offenen Regentonnen können Fledermäuse aber ertrinken, deshalb Deckel drauf oder Ausstiegshilfe einbauen.

In jedem Fall empfiehlt sich giftfreies Gärtnern, da sonst den Fledermäusen die Ernährungsgrundlage genommen wird. Denn für jeden von uns empfundenen Plagegeist gibt es den passenden Gegenspieler und all diese Tiere sind Teil eines großen Netzwerkes, dessen Zusammenspiel wir gar nicht überblicken können.