Frühlingserwachen & Winterbilanz Bienen

Das Gute zuerst: Es blüht! Es fliegt! Das Leben kehrt zurück. Hier habe ich in all dem (natürlich trotzdem ersehntem) Regen mal einen sonnigen Augenblick erwischt: Ist das nicht schön?

Es war nicht warm, vielleicht 11 Grad, aber die Bienen waren schon wieder unterwegs. Unglaublich. Ich frage mich wie viele Biene da draußen auf der Strecke geblieben sind. Aber der Drang raus zu kommen muss mächtig gewaltig sein.

Zwei Völker sind bisher durch den Winter gekommen. Der ist ja noch nicht ganz vorbei, jetzt kann es noch zu Futterengpässen kommen, aber es ist warm genug, dass man Notfüttern kann. Derzeit haben die Bienen aber noch genug Vorräte. Wie ist also der Winter seit dem letzten Bericht weiter gegangen?

Ich habe nur ein paar Tage nach dem letzten Bienenbericht auch das zweite Volk verloren. Ich habe es kommen sehen, aber ich konnte es nicht mehr aufhalten:

Imkertagebuch: 15.12.2019:

Der natürliche Varroafall war so enorm, dass klar war, dass die Bienen das nicht überleben. Es gab kaum noch Gemülle in der Windel, die Winterkugel war demnach nur noch Faustgroß. Das Elend in der Kiste, als als auch das letzten Lebenszeichen erloschen war:

Totenfall

Anders als beim 1. Volk sieht man hier die Opfer. Ein kläglicher Rest an Bienen, tot auf dem Lüftungsgitter. Das ist das Ergebnis zu später und nicht ausreichend wirksamer Ameisensäurebehandlung im Spätsommer und der Reinvasion der Milben durch das Volk, das als erstes eingegangen war.

Wie bei Dornröschen kleben die Bienen wie angehalten an der Wand. Aber sie sind leider tot.
Ein schmerzlicher Anblick. Die Bienen sind bei sehr guten Futtervorräten verhungert. Sie konnten sich nicht mehr von der Wabe runter bewegen, um zum Nachschub zu gelangen, weil die Winterkugel immer mehr schrumpfte. Folge: Die Bienen kühlten aus und wurden bewegungsunfähig.
Varroen und Kotflecken

Eklig und erschütternd: wenn man sieht wie viele Milben beim natürlichen Totenfall hier auf dem Rähmchen gelandet sind, kann man sich vorstellen, wie extrem die Varroabelastung im Volk war. Dieses Abkoten geht oft zusammen mit Tot durch Varroa. Ich weiß nicht, ob es das letzte Abkoten ist, oder Ruhr, als Folge der Schwächung, Störung und zunehmender Unterkühlung. Es fühlt sich ganz unschön an, wenn man weiß, das man der Verursacher der Misere ist. Schäm, Schäm.

Tote Königin mit Milbe.

Das war meine schwarze Königin, auf die ich so stolz war. Sie hatte eine sehr gute Legeleistung. Das Volk war sehr stark. Ich bin richtig traurig, dass sie so enden musste. Unglaublich, dass die Varroa immer noch auf ihr sitzt. Das ist so ein symbolisches und trauriges Bild.

Und was lernen wir daraus? Erst die Bienen, dann das Vergnügen! Alle kritischen Punkte letztes Jahr bin ich durchgegangen. Das Zeitfenster zur Behandlung werde ich dieses Jahr früh auslegen und alle Bienen gleichzeitig behandeln. Früh, weil auch dieses Jahr die Varroalast groß werden wird, denn der Winter war viel zu warm und die Bienen Brüten schon wieder. Die verbliebenen Varroen haben deshalb einen frühen Start und erreichen ihre kritische Bestandsgröße früher. Die Empfehlung für dieses Jahr lautet deshalb: Nicht bis zur letzten Tracht ernten, lieber verzichten, aber die Bienen retten.

Ich habe die fehlende Ausstattung erworben, so dass ich immer Alles gleichzeitig an den Bienen machen kann. Ich habe jetzt alles vierfach. Es ist wirklich so, die Arbeit an den Bienen verzeiht keine Fehler. Es ist nicht wie mit dem Gärtnern, wo man mal ein bisschen laufen lassen kann, ein bisschen mauscheln, gucken, was sich entwickelt. Bein Gärtnern kommt immer irgendetwas nutzbares raus. Bei den Bienen haben Nachlässigkeiten große Folgen. Und die Bienen sind ein teurer Spass, aber die Investition ist dann zwingend. Das muss man vorher wirklich bedenken. Ich habe das falsch eingeschätzt.

Imkertagebuch: 23.12.2019:

Nach diesem Schock war klar, die verbliebenen beiden Völker müssen unbedingt zum frühstmöglichen Zeitpunkt ihre Winterbehandlung erhalten, um die nach der Sommerbehandlung verblieben Varroamilben abzutöten

Varroafall nach der Oxalsäurebehandlung: Herkunfstvolk mit der alten Mutter aller Königinnen vom letzten Schwarmjahr.

Das Volk ist stark in den Winter gegangen, es saß zu dem Zeitpunkt auf 6 Waben. Letztes Jahr hat die Winterbehandlung nicht gut funktioniert, dies Jahr ist es sichtbar besser gelaufen. Es ist ordentlich was runter gekommen.

Auf der Windel eines verwaisten Volkes treibt immer noch ein Tierchen sein Unwesen. Jetzt werden Kohlehydrate verzehrt. Das würde eine Spitzmaus nicht tun, denn das sind ja keine Nagetiere, sie könnten eine Nussschale nicht aufnagen. Vielleicht ist es eine Rötelmaus, denn die fressen im Winter auch Insekten. Hm, da fühle ich mich gleich etwas unwohl. Ach, Unwissenheit macht so schön sorgenfrei, doch leider habe ich vor kurzem diese Meldung gesehen: Rötelmäuse übertragen Hantavieren- Häufung der Fälle

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https://www.youtube.com/watch?v=gvGWCA0lVvk

Berlin ist noch nicht betroffen gewesen, so weit ich weiß, aber ich halte mich ja auch gerne mal woanders auf.

Imkertagebuch: 05.02.2020

Zwischen all den Regentagen scheint mal kurz die Sonne, die ersten Blüten zeigen sich. Ich kontrolliere die Futtervorräte. Den jetzt können die Bienen schon wieder Brüten. Ich wiege dazu die Beuten mit der Zugwaage. Beide Kisten wiegen derzeit 24 Kilo, das ist nahe am Startgewicht. Vorräte gut.

Ich kontrolliere jedes Mal die Windel und kann so erkennen, wie das Volk sich in der Beute bewegt und was es macht. Volk 1 bewegt sich ausgedehnter in der Beute, die Winterkugel ist nicht mehr so eng geballt. Auf der einen Wabe sind Zuckerkristalle, dort wo verdeckelte Waben mit Honigvorräten geöffnet wurden.

Volk 2: Ist schon klein in den Winter gegangen, es sitzt extrem weit vorne und geballt hinter dem Flugloch. Mal sehen, wie es ins Frühjahr startet. Aber obwohl es recht kühl ist, ist es aktiv und fliegt.

Volk 1

Imkertagebuch: 19.02.2020:

Die Wabengassen sind an diesem milden Tag auf ganzer Länge besetzt. Ich denke das Volk brütet wieder, denn sein Honigverbrauch ist sichtlich gewachsen: Die Zuckerkristalle auf der Windel sind in wenigen Tagen deutlich mehr geworden.

Volk 2 ist auch raumgreifender verteilt. Es sitzt jetzt deutlich auf 5 Waben, auch wenn es immer noch sehr geballt ist. Interessant ist hier dieser merkwürdige Pollenabbrieb. So viel Pollen können sie aktuell noch gar nicht eintragen, es blüht zu wenig und so viel können sie auch noch nicht fliegen, bei dem Wetter. Die Lage und die Art der Verteilung spricht dafür, dass sie sich an ihrem Pollenbrett (Wabe fast nur mit Pollen gefüllt) bedienen. Die Pollen benutzten die Bienen zum Füttern ihrer Brut. Dass sie so krass an den Pollen gehen, sehe ich als ein gutes Zeichen an. Vielleicht starten sie ja dies Jahr durch?

Imkertagebuch: 20.02.2020:

Da es bald wieder heißt Honigräume aufsetzen, baue ich die letzte Neuerwerbungen zusammen, die ich im Winter bestellt hatte. Ich habe mich aus Kostengründen (in doppelter Hinsicht) für Bausätzte entschieden. Keine Anleitung aber es ging trotzdem ganz ordentlich. Im Anschluss wird gestrichen.

Bausätze
Ich habe noch einen schönen Halbhöhlenkasten gekauft. Er ist in den Stamm einer Birke gefräst. Tolles Ding.

Und noch kann man ihn sehen, bevor er wieder vom Giersch überholt wird: Mein Bärlauch. Ich bin ganz verwirrt gewesen, denn ich hatte vergessen, dass ich letztes Jahr noch einen zweiten Standort eröffnet hatte mit einer Transplantation aus der freien Natur. Echt toll, das das geklappt hat. Ein Bärlauch-Brunch kann ich damit aber immer noch nicht veranstalten. Es ist einfach nicht feucht genug bei mir.

Kürbis Blue Hubbard

Und wo wir gerade von Essen Reden: Ich habe meinen letzten Kürbis geschlachtet. Er hat bis jetzt im Gartenhaus durchgehalten. Länger als die Hokkaidos, die haben über die Schale angefangen zu schimmeln. Das ist eine Schwachstelle. Dafür hat der Blue Hubbard hier jetzt eine sehr harte Schale. Ich bin trotzdem begeistert.

2 Comments

  1. Liebe Sas,

    der Verlust des Bienenvolkes tut mir sehr, sehr leid. Wie Du weißt, wollte ich auch gern Bienen im Garten halten. Dann habe ich ein Buch darüber gelesen, welche Krankheiten und Schädlinge es gibt und welche Fehler man machen kann. Das führte dazu, daß ich bis heute keine Bienen habe, aus Angst, sie zu verlieren.
    Ich habe im Herbst Unmengen an botanischen Krokussen versenkt, davon blühen jetzt die gelben, außerdem meine Weidenkätzchen, die Schneeglöckchen und die Elfenkrokusse. Aber Bienen und Hummeln ließen sich noch nicht blicken.
    Ich war 1998 mit einer Freundin in Chile, als dort gerade das Hanta-Fieber grassierte. Überall hingen Zettel, darauf waren Rötelmäuse als Piktogramm über einem Totenschädel mit Knochen abgebildet und darüber stand in roten Lettern: HANTA. Weil wir von Hanta noch nie gehört hatten, dachten wir, eine Mäuseplage der Spezies Hanta-Maus sei ausgebrochen und diese sollten möglichst schnell den Tod finden. :-) So kann man sich irren. Als die Plakate immer mehr zunahmen, haben wir dann nachgefragt und erfahren, dass schon einige Menschen daran gestorben waren. Seitdem muss ich in Verbindung mit Mäusen immer an Hanta denken. Beim Entfernen von Mäusekot würde ich immer einen Mundschutz anlegen.
    Den Rest demnächst per E-Mail.
    Ganz liebe Grüße,
    Jana

    • sas

      Februar 29, 2020 at 10:07 pm

      Hallo liebe Jana,
      Ich habe mich ja so gefreut von dir zu lesen:-D!! Ich habe mir schon ein bisschen Sorgen gemacht. Hattest du meine Weihnachtsmail bekommen?
      Vielen Dank für dein Mitgefühl bei den Bienen. Ja das verstehe ich, dass es dich abgeschreckt hat. Ich war am Anfang auch total überfordert mit den ganzen Informationen, mir hat sich da immer echt der Kopf gedreht. Aber ich dachte ich bin ja nicht allein und habe Unterstützung. Ich bin jetzt auch endlich im Imkerverein, das macht vieles noch leichter. Ich wusste, dass so was passieren kann, es passiert ja auch in der freien Natur und es gibt ja bei den Hobby- und Berufsimkern auch jedes Jahr richtige Quoten für die Winterverluste. Es gibt quasi kein Jahr ohne Verlust, auch wenn mal ein einzelner Imker verschont bleibt. Ich muss lernen damit umzugehen und die bestmögliche Unterstützung leisten.
      Mich stresst aber mehr als das, die Frage wohin mit all den Bienen, die sich jedes Jahr vermehren? Ich kann ja nicht alle behalten. Die Herausforderung ist die Balance zu halten aus Nachzuchtrate und Schwund. Das ist schwer abzuschätzen. Und wohin absetzten? Das wird mit Verein aber auch alles leichter.
      Kann sein, dass keine Bienen und Hummeln bei den Frühblühern waren, weil sie nicht in unmittelbarer Nähe ihr Heim haben. Es ist einfach noch zu kalt für sie um weiter zu fliegen. Hast du denn jetzt ein Hummelhäuschen im Garten?
      Das ist ja ne interessante Geschichte mit deiner Hanta-Erfahrung, ich hätte die Zettel auch so interpretiert:-D. Erfreulicherweise habe ich ja eine gute Atemmaske da. Ja, ich hatte doch lange Zeit Ratten und Mäuse als Haustiere und habe deshalb eigentlich null Berührungsängste. Deshalb hat mich das n bisschen geschockt.
      Ich freue mich sehr mehr von dir zu lesen, wie immer:-)
      Ganz liebe Grüße zurück,
      sas

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