Gärtnern mit einheimischen Wildpflanzen: Die Frühlingsfraktion 1

Es gibt nichts neues unter der Sonne. Der Garten reift und ist langsam voll, ich kaufe immer weniger Neues hinzu und einige, die schon länger gucken kennen, sicher schon alle Pflanzen, die jeden Frühling wieder auftauchen. Deshalb mache ich heute einen Gartenrundgang, bei dem ich verschiedene Wildstauden in meinem Garten vorstelle, als neuen Blickwinkel und zwischendurch zeige ich immer mal ein Blick links und rechts auf das Gesamtbild.

Der Dolden-Milchstern

Keine Staude sondern eine Zwiebelpflanze, ganz korrekt ein Zwiebel-Geophyt: Der doldige Milchstern oder Stern von Betlhehem (Ornithogalum umbellatum)

Seine  Zwiebeln liegen in 2 bis 4 cm Tiefe und sind wie furchtbar viele Pflanzen in meinem Garten giftig. Die Zwiebeln sind besonders giftig, ihre beiden Giftstoffe , wirken besonders stark auf das Herz. Also besser nicht anknabbern, auch nicht von der Katze knabbern lassen.

Die Frühjahrsblätter ziehen früh ein und sind im Sommer nicht mehr sichtbar. Deswegen machen sie sich gut als Unterpflanzung für spät austreibende Rabattenpflanzen und stören auch im Rasen nicht.

Der doldige Milchstern kommt in weiten teilen Europas vor. In Deutschland ist er weit verbreitet und nicht gefährdet. Als Standort bevorzugt er im natürlichen Habitat Wegränder, Weinberge und trockene bis frische Wiesen- letzteres ist der Standort bei mir. Er liebt die Sonne. Sobald sie scheint, öffnet sich die Blüte, bei bedecktem Himmel und abends schließt sie sich wieder, wie bei einem Buschwindröschen.

In freier Natur ist der Dolden-Milchstern relativ selten anzutreffen, jedoch kommt er dort, wo er wächst, gleich im Rudel vor, das kann man bei mir schön sehen. Die Zwiebelpflanze ist verhältnismäßig vermehrungsfreudig, was sie zum Verwildern prädestiniert macht. Aber man kann den Milchstern leicht wieder los werden, in dem man die Zwiebeln aus dem Boden entfernt. Die Pflanze samt sich nicht aus, sondern vermehrt sich hauptsächlich vegetativ über ihre Brutzwiebeln. Die Blüten werden sehr gerne von Bienen besucht.

Der Dolden-Milchstern macht sich auch gut in Kombination mit anderen konkurrenzstarken Begleitern, wie hier mit dem Günsel im Rasen und mit Vergiss-Mein-Nicht in der Rabatte.

Und damit wären wir schon bei der nächsten einheimischen Art und die ist tatsächlich auch mal eine Staude: Der Kriechende Günsel (Ajuga reptans). Für die Einen schon Unkraut, für die anderen ein geschätzter unkomplizierter Bodendecker, in jedem Fall schön anzusehen und geliebt von Wildbienen inklusive Hummeln aller Couleur.

Der kriechende Günsel

Der kriechende Günsel ist in ganz Europa bis nach Nordafrika verbreitet und auch bis in den Kaukasus. Die Pflanze gedeiht auf frischen, nährstoffreichen, neutralen bis mäßig sauren, humosen Lehmböden auf Wiesen, in Laubwäldern, an Waldrändern, unter Hecken und in Gärten. Er wächst aber auch an verhältnismäßigen trockenen Orten. Seine Blütezeit ist recht lang: Sie reicht von April bis Juni.

Bei mir wächst der Günsel überall: Im Rasen, in der Rabatte, hier auf den oberen Fotos im Moorbeet unter den Farnen und auf Rindenmulch. Kriechender Günsel wird gerne als Bodendecker unter lichten Sträuchern und Bäumen verwendet, besonders die Variante mit mit dunkelrotem Laub, ist ein schöner Kontrast zu zartem Grün und allen Blau- und Lila-Tönen. Durch die langen Ausläufer verbreitet er sich flächig, weswegen er leicht lästig werden kann und als Unkraut empfunden werden kann. Meine Pflanzen sind nicht gekauft, sie wuchsen hier und da und ich habe mich dann bedient und sie da hin gepflanzt, wo sie mir am Besten gefallen. Im Rasen stören sie mich nicht. Im Frühjahr lasse ich die Pflanzen blühen, danach wird gemäht und sie fallen nicht unangenehm auf. Für Bestäuber ist das natürlich toll.

Straußenfarn

Auch der Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris) ist ach eine einheimische Wildstaude. In Deutschland ist er außerhalb von Gärten aber eher selten zu finden, in etlichen Bundesländern gilt die Art als gefährdet. Deshalb zählt der Straußenfarn in der freien Natur in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man sieht wie er am geeigneten Standort wuchert.

Wie kommt das also? Die Art besitzt ein zirkumpolares Areal. ” Die Verbreitung wird als submeridional/montan bis boreal mit subozeanischem Schwerpunkt beschrieben.”- sagt Wiki. Für die nicht Botaniker übersetzt: Er verträgt es nicht zu warm, braucht längere kühle Phasen, mit ausreichen Niederschlag und Bodenfeuchte. In Deutschland erreicht der Straußenfarn die Westgrenze seines Verbreitungsgebietes. So ist er vor allem östlich des Rheins zu finden; im Süden reicht sein Areal bis zu den Westalpen.

Letztes Jahr zwei Wochen später.

Er wächst in Natura in Auwäldern, Hochstaudenfluren und an Bachufern in Tal und Mittellagen.Deshalb braucht er auch im Garten viel Wasser. Bei mir steht er im Ablauf der Regenrinne. Er macht sich auch gut als Umpflanzung an der Wassertonne, in Senken von Flächenentwässerung usw. Ist es ausreichend feucht, verträgt er auch etwas Sonne. Mehr als Halbschatten sollte man ihm aber nicht zumuten. Er ist kalkmeidend und bevorzugt sickernasse, nährstoffreiche, sandige bis kiesige Schwemmböden. Das habe ich hier zufällig auch simuliert: Urspungsboden durch Kiefern ausgelaugter, versauerter Mineralboden, dann noch mit Rindenmulch und Rhododendron-Dünger nachversauertert und aufgedüngt: Mein Moorbeet. Ein Farn-Paradies.

Der Nickende Milchstern

Der Nickende Milchstern stammt ursprünglich aus dem Westen der Türkei, aus Bulgarien und aus dem Osten Griechenlands. Zur Zeit des Barrock wurde die Pflanze in Europa als Zierpflanze für Schloss- und Klostergärten eingeführt. Von dort aus kam es zur Verwilderung, deshalb tritt er heute gehäuft im Umfeld dieser Anlagen auf. Dennoch ist die Art heute in vielen Teilen der Welt verwildert. Man kann ihn deshalb als Neophyt bezeichnen, er hat sich selbst eingebürgert.

Dennoch ist der Nickende Milchstern in ganz Deutschland aber relativ selten anzutreffen. In Sachsen gibt es die größte Population des Nickenden Milchsterns innerhalb Deutschlands, dort wächst er beispielsweise auf dem Roitzschberg bei Meißen und am Schloss Pillnitz bei Dresden.

Bei mir kam die Pflanze eines Tages aus dem Boden, in dem viele durch Vernachlässigung und fehlendes Gießen gebeutelte ehemalige Gartenschätze vor sich hin vegetierten. Ich kannte sie bis dahin auch nicht. Seitdem wird der Bestand jedes Jahr prächtiger.

Brauner Storchenschnabel

Die ursprüngliche Heimat des Braunen Storchenschnabels (Geranium phaeum) sind diverse ost-, süd- und mitteleuropäische Länder. In den den übrigen europäischen Ländern, in dem er nicht heimisch war, ist aber seit langem als Neophyt verbreitet. In Deutschland seit fast 200 Jahren. Als wann bezeichnet man eine Pflanze also als einheimisch?

Im Hinblick auf seine Co-Evolution mit bestäubenden Insekten unserer Breiten, ist er als Mitglied der Familie der Hahnenfußgewächse sehr nützlich und wird sehr gerne von Hummeln und Bienen aller Arten besucht.

Ebenfalls bestechend robust und pflegeleicht, wächst Geranium phaeum bevorzugt an schattigen, oft feuchten Waldsäumen, an Gebüschrändern und in Parks. Er kommt aber auch gut mit trockeneren Verhältnissen zurecht.

Die Pflanze samt sich gerne aus und erobert so immer mehr Raum, man kann das dadurch verhindern, dass man die Blütenstände nach der Blüte entsorgt.

Berg-Steinkraut

Das Bergsteinkraut (Alyssum montanum) kommt in freier Natur in Mitteleuropa nur zerstreut bis selten vor, dabei zeigt es sich im Garten äußerst wüchsig und vermehrungsfreudig. Es bildet dichte Polster, die mit den Jahren immer größer werden und es vermehrt sich sehr gerne über seine vielen kleinem Samen, die in jeder Ritze versuchen neu Fuß zu fassen. Das Versamen kann man gut verhindern, in dem man die Samenanlagen nach der Blüte abschneidet.

Es blüht vorwiegend von März bis Mai und duftet süßlich und schwer. Das Berg-Steinkraut wächst in freier Wildbahn in Steppenrasengesellschaften. Es bevorzugt daher warme, trockene Kalksand- und Kalksteinböden. Im Garten macht es sich deshalb gut im Steingarten, im Kiesgarten und auf sonnigen, wenig begossenen Stellen, wie bei mir unter dem Dachüberstand. Hier gieße ich nie, hier fällt nur verwehter Niederschlag. Mein Steingarten bestand zunächst nur aus Mineralschutt von der Hauswand. Da kommt der geliebte Kalk her. Das Bergsteinkraut ist sehr bescheiden in seinen Ansprüchen, hat aber viel für Insekten zu bieten.

Das Bergsteinkraut gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist attraktiv für diverse Bestäuber. Auffällig oft sieht man Nektar-trinkende Fliegenarten auf den Pflanzen und hier habe ich auch zum ersten mal meine Frühlingspelzbiene außerhalb ihres Lochs und in Gänze fotografieren können:

Die Kuckucks-Lichtnelke

Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi (L.),Syn.:Lychnis flos-cuculi L.). Warum hat die zwei Lateinische Namen? Der Erstentdecker Carl von Linné hatte die Pflanze Lychnis flos-cuculi genannt. Damit hat er sie den Lichtnelken zugeordnet. Später wurde diese Einordnung von einem anderen Wissenschaftler revidiert und sie wurde der Gattung der Leimkräuter (Silene) zugeordnet ( Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nelkengewächse).

Sie wächst in freier Wildbahn am liebsten in feuchten, mäßig nährstoffreichen Wiesen, Mooren und Sümpfen. Im Garten macht sie sich gut am Teichrand und in Sickermulden, zum Beispiel bei Oberflächenentwässerung. Zu viele Nährstoffe verträgt sie nicht.

Der Bach-Nelkenwurz

Eine niedliche zarte Wildstaude, die auch gleich um die Ecke im NSG hinter der Gartenanlage wächst. Der Bach-Nelkenwurz wächst auch gerne im kühl-gemäßigten Klima und wie der Name vermuten lässt, hat er es auch gerne feucht. So findet man ihn in Feucht- und Nasswiesen, Gräben, Uferzonen, Auwäldern und anderen feuchte Wäldern sowie Hochstaudenfluren mit sickernassen, nährstoffreichen Böden. Bei mir steht er verhältnismäßig trocken, aber er hält sich seit Jahren stabil und bildet einen schönen Horst. Unter geeigneten Bedingungen soll er auch stark versamend sein. Das ist er bei mir bisher nicht.

Die Blüten werden von verschiedensten Insekten als Nahrungsquelle besucht, besonders attraktiv sind sie aber für Hummeln.

Noch mal den Blick schweifen lassen:

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4 Comments

  1. Hallo mein Kind,
    ein schöner Beitrag. Den nickenden Milchstern kannte ich noch nicht. Der sieht aber groß aus, oder täuschen die Bilder? Meine Doldenmilchsterne sind lange nicht so vermehrungsfreudig wie Deine, die Anzahl meiner Pflanzen stagniert oder ist vielleicht sogar rückläufig… Ist mir aber auch recht so, mein Garten ist ja viel kleiner.
    Mein Felsensteinkraut ist zwar auch sehr üppig, kommt aber auch nicht zum Vermehren. Früher habe ich auch immer na h der Blüte alle Samenstände abgeschnitten, was ja einigermaßen aufwändig ist, bis ich gemerkt habe, dass man etwas später, aber noch bevor der Samen ausfällt, die trochnenden Blütenstiele einfach abpflücken kann. Das geht wesentlich schneller, man muss nur den richtigen Zeitpunkt abwarten.
    Meine Heidelbeere sieht in diesem Jahr aus wie Deine, nachdem sie in den letzten 24 Jahren keine Anstalten gemacht hat zu blühen. Sie wurde vom Schatten der Tanne befreit :-).
    Die Pelzbiene ist ein niedliches Geschöpf. Man möchte sie fast streicheln. Kehrt sie immer noch ins Dübel-Loch zurück?

    Bis bald

    Mutti

    • sas

      Mai 17, 2019 at 1:40 am

      Hallo Mutti und Danke:-) Ich weiß nicht, was ist denn groß für dich? 30 cm könnte er schon hoch sein. Wo stehen denn deine Doldenmilchstere? Hab das gar nicht präsent? Danke für den Tipp mit dem Felsensteinkraut. Ich war bisher nicht besonders erfolgreich in der Verhinderung der Aussamung. Ich kann ja nichts umkommen lassen, wenn es erst mal da ist. Schlimm! Ich freue mich für deine Heidelbeere. Bei denen wo der Farn zu nah dran ist, sie es auch nicht gut aus.
      Ja die Pelzbiene ist voll der Unterhaltungskünstler, ich erfreue mich fast täglich an ihr.Sie ist jeden Abend und bei schlecht wetter in ihrem Dübelloch. Habe jetzt aber auch noch ein paar neue Gäste im Holzbetonstein und in der Holznisthöhle.

      lg

      • Hallo mein Kind,
        meine Milchsterne stehen auf dem Terassenbeet und ein paar unter der Quitte. Die habe ich aber dieses Jahr noch gar nicht gesehen.
        Ich habe gestern Deine Insektenhotels beäugt aber gar keine Hotelgäste bemerkt. Da muss man wohl einen geübten Blick für haben :-). Die Pelzbiene war wohl auch gerade unterwegs.
        Bis demnächst
        Mutti

        • sas

          Mai 21, 2019 at 7:37 pm

          Hallo Mutti, ja reite nur drauf rum;-) Ja die Pelzbienen waren aus, gestern, wo es so geschüttet hat, waren sie wieder da. Ja ich finde auch es ist wenig Verkehr. Vielleicht müssen sie sich erst an die Standorte gewöhnen? Das Holzinsektenhotel steht wahrscheinlich nicht sonnig genug, das ein oder andere Tierchen habe ich da aber schon geknipst. Dafür habe ich schön die Feldwespen beobachtet, die sich Holz von meinen Pflanzstäben raspeln nd dann sehe ich sie in die Wellen vom Bitumendach fliegen, da gibt es eine ganze Kolonie.

          lg

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