1. Honigernte: Wie geht eigentlich Honigschleudern?

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Jetzt kommt endlich der Post zum Honig schleudern! Letztes Jahr durfte ich bei meinem Imkerpaten das erste Mal beim Honig schleudern helfen, dieses Jahr habe ich mit ihm ach meinen eigenen Honig geschleudert. Für die routinierten Imker normal und banal und keinen Kommentar wert, für mich spannend und lehrreich, denn ich durfte überall selbst Hand mit anlegen.

Erste Erkenntnis: Honigschleudern ist eine langwierige Angelegenheit- hier wurde 6 Stunden gearbeitet, nur fürs Schleudern (Ohne Endreinigung der Räumlichkeit). Zweite Erkenntnis: Es ist eine ganz schöne Sauerei. Man tut gut daran, die passenden Räumlichkeiten und Hilfsmittel zu haben.

Es war die erste Ernte im Jahr, die Frühjahrestracht. Mein Imkerpate hatte aus all seinen Völkern von verschiedenen Standorten die Honigwaben zusammen getragen. Hier standen sie nun alle übereinander gestapelt und warteten darauf, entdeckelt zu werden. Vor dem Entdeckeln wird mit dem Stockmeißel der Anbau auf den Oberträgern entfernt.

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Das ist alles schönes, neues Wachs was gesammelt, aufbereitet und so dem Wachskreislauf wieder zugeführt werden kann oder verkauft werden kann. Mit dem Wachs in den Honigwaben macht man das nicht, das wird, wenn es eingeschmolzen wird, dem Kreislauf entzogen. Denn dieses Wachs kann durch Bienenmedikamente oder Einträge aus der Landwirtschaft belastet sein. Solches Wachs benutzt man dann zur Herstellung von Kerzen oder in der Industrie usw., wenn man Großimker und nennenswerte Mengen abgeben kann.

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Hier sieht man das sogenannte Entdeckelungsgeschirr. Es besteht aus diesem Halter für die verdeckelten Rähmchen und der Abtropfwanne, rechts steckt die Entdeckelungsgabel. In der Mitte warten die  entdeckelten Waben in einem Wabenbock, darauf, dass sie in die Schleuder einsortiert werden.  Der Wabenbock hält die Waben geordnet fest und verhindert, dass sie umfallen können, unten drunter ist auch eine Auffangfläche für herab tropfenden Honig.

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Leider konnte ich wegen der Klebrigkeit und der Arbeitsfülle das Entdeckeln selbst nicht fotografieren. So sieht eine verdeckelte Honigwabe aus: (Noch im Stock mit Bienen).

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Der reife Honig ist mit einer dünnen Wachsschicht verschlossen worden. Diese dünne Schicht muss zum Schleudern entfernt werden. Da gibt es verschiedene Methoden, die unterschiedlich schnell sind. Mit der Gabel dauert es wahrscheinlich länger. Für den Hobbyimker reicht es. Wer zunehmend mehr zu entdeckeln hat, nimmt häufig ein Entdeckelungsmesser. Die Profis haben dann schon automatische Endteckelungsstraßen, wo die Rähmchen durchlaufen und fertig entdeckelt rauskommen. Das habe ich mir dieses Jahr im im Bienen-Länderinstitut ansehen dürfen.

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Hier sieht man eine richtig dunkle Wabe, die schon öfter bebrütet wurde. Nach Ende der Saison kommt sowas raus.

Diese Wabe war noch gar nicht vollständig verdeckelt. Deshalb musste ich nur oben entdeckeln.  Die Bienen verdeckeln den Honig, wenn er reif ist. Das heißt, dass der  Wassergehalt des Honigs in  den Zellen dann in der Regel unter 18 % ist. Dadurch wird der Honig hygrosskopisch, d.h. er zieht Wasser an und deshalb müssen die Bienen ihn dann auch verdeckeln. Sonst würde er wieder Wasser anziehen und Honig mit hohem Wassergehalt ist nicht haltbar. Er fängt dann schneller an zu gären. Sind die Honigwaben zu mindestens zwei Dritteln verdeckelt, dann ist der Honig normalerweise reif.

DSC_0627pixAber woher weiß mein Imkerpate, dass der Honig reif ist, obwohl sie nicht zu zwei drittel verdeckelt waren?  Mann kann eine so genannte  Spritzprobe machen. Dabei hält man die Wabe waagerecht über eine Platte und stößt kurz und ruckartig darauf. Kleckert dabei  der Honig aus der Wabe heraus, ist er noch nicht reif.

Die professionelle Variante den Honig zu prüfen, ist mit einem Refraktrometer.

Das Refraktometer ist eine Messeinrichtung zur Bestimmung des Brechungsindex von – flüssigen oder festen – transparenten Stoffen durch Refraktometrie. Es nutzt dafür das Verhalten von Licht am Übergang zwischen einem Prisma mit bekannten Eigenschaften und dem zu prüfenden Stoff.

Quelle: Wiki

Das geübte Imkerauge sieht es aber auch am Fließverhalten des Honigs: Wenn er  beim Laufen in den Eimer kleine Kegel bildet, dann stimmt der Wassergehalt. Allerdings will man es ja vor dem Schleudern wissen.

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DSC_0621Das ist eine elektrische Radial-Honigschleuder. Die Rähmchen werden alle in Richtung Mittelachse positioniert und müssen daher nicht mehr gewendet werden. Da die Waben ja von beiden Seiten ausgeschleudert werden, müssen sie bei nicht radialen Schleudern händisch gewendet werden. Eine Radial-Honigschleuder sorgt damit für eine komplette Entleerung der Waben, ohne dass man noch mal ran muss. Voll rein, leer raus. Der Motor dreht einfach in die andere Richtung.  Das  spart einen Arbeitsschritt und ist gut bei größeren Mengen.

DSC_0631pixHier zeigt mein Imkerpate gerade eine ausgeschleuderte Wabe. Nach dem Schleudern hat er die Waben einfach wieder in die Honigräume seiner Beuten gehängt. die Bienen befüllen sie gleich wieder, sie laufen zu dieser Zeit ja auf Hochbetrieb, denn die nächste Großtracht steht an. Meist schleudert man vor der Robinie oder vor der der Linde. Die Bienen reparieren die ausgefransten Ränder der Waben und sparen Energie, wenn sie nicht alles neu bauen müssen.

In der Schleuder darunter sieht man eine gebrochene Wabe. Das passiert, wenn man die Waben vorher nicht richtig anschleudert. Diese Hightech-Schleuder macht das alles voll automatisch, aber sie war noch nicht richtig programmiert.

DSC_0630Der Honig fließt dann erst mal durch zwei Grobsiebe in die Aufbewahrungseimer. Das feine Sieb hat üblicherweise eine Maschenweite von 0,2 mm und hält alle Wachsdeckel, Chitinteile und Holzsplitter zurück. Der Honig enthält nach dem Sieben noch sehr feine Wachsteilchen.  Man kann das natürlich mitessen. Etwas unangenehm fallen sie aber im Tee auf, da schwimmen sie dann immer an der Oberfläche. Diese feine Wachspartikel werden in einem weiteren Arbeitsschritt, dem Seihen, entfernt. Dazu lässt man den Honig durch ein feines Nylon-Gewebe laufen, das auch feinste Partikel zurückhält.  Für das Seihen  muss der Honig auf 25 bis 30 °C temperiert sein, denn sonst ist der Honig zu zäh und fließt nicht durch das Seihtuch.

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Nachdem alles geschleudert ist, wird der ganze abgetropfte Honig eingesammelt.

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Man kann aber auch mal naschen.

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Und dann kommt das große Aufräumen. Alles klebt. Gott sei dank gibt es hier diese tolle Waschstraße. Zack, Haube drüber in 10 Minuten ist alles blitzeblank! Das will ich auch für zu Hause. Ich will mir gar nicht vorstellen, was das an Zeit gebraucht hätte, das mit der Hand abzuwaschen.

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Und hier kommt jetzt mein Honig. Ich war unglaublich stolz und happy, obwohl es im Vergleich zu meinem Imkerpaten lächerlich wenig war. Das Geschwärme hat mich einiges an Honig gekostet.

Da fließt es mein Honiggold. Der Frühjahrshonig dieses Jahr war ungewöhnlich dunkel, vielleicht Kastanie oder Ahorn drin, die Bilder mit dem hellen Honig oben sind vom letzten Jahr. Das war nicht nur bei mir so, sondern auch bei anderen Imkern. Der Honig schmeckt deshalb auch wunderbar aromatisch und karamellig. Den normalen Frühjahrshonig mag ich nicht so, weil er sehr süß aber etwas zu langweilig ist. Aber dieser hier ist so guuut!

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2 Comments

  1. Hallo mein Kind,
    das ist ja alles interessant. Freu Dich, dass Du einen Imkerpaten hast, der den Platz und alles notwendige Equipment hat. Wie hast Du Deine vollen Waben zu ihm gekriegt, ohne dein ganzes Auto zu bekleckern?

    Alles Liebe und toi, toi, toi von Mutti

    • sas

      Juli 10, 2019 at 9:48 pm

      Hallo Mutti,
      Ja, ich habe wirklich Glück!Ich mache einen Boden unter die Wabe und einen Deckel oben drauf. Da kleckert es nur innerhalb der geschlossenen Box.War ja auch nicht so viel. Mein Imkerpate braucht schon einen Hänger. Heute war wieder Schleudertermin, ich habe hauptsächlich Lindenhonig geschleudert. Die Bienen waren total verrückt drauf und sind sowas von in Räuberei-Stimmung. Echt irre. Letztes Jahr war das nicht so.
      Vielen Dank fürs Daumendrücken:-)

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