Bienen: Aus 1 mach 4: Mission Schwarmfang

Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden. Das gilt auch für meine Pläne mit den Bienen. Ich dachte ja ich hätte das Thema Schwarmkontrolle erfolgreich hinter mich gebracht, aber ich hatte mich geirrt und der Grund ist einfach: Meine mangelnde Erfahrung.

Ich hatte doch einen Königinnenableger gemacht und 3/4 des Volkes mit zwei Weiselzellen (bereits gelegte Königinnen) in der alten Kiste zurück gelassen. Weil das Volk aber nun erst mal ohne Königin war, bekamen sie Panik und legten Nachschaffungzellen an. Die erste Königin stach nicht die zweitgeborene ab, wie ich erwartet hatte, weil das Volk bereits zu stark in Schwarmstimmung war, als ich eingriff. Und während ich mich schön zurück lehnte, machte sich die erste Königin mit der Hälfte der Bienen in der alten Behausung auf zu neuen Ufern:

Diese Traube war riesig und sauschwer. Ich konnte die Kiste mit den Bienen nicht mehr alleine heben. Zu dem Eigengewicht der Bienen kommt ach noch 2-3 Kg Honig dazu, den so ein Schwarm als Reiseproviant mitnimmt.

Normalerweise macht man das nicht nachts, denn dann können die Bienen sich nicht selbst in die Schwarmfangkiste einfinden, weil es zu kalt ist und sie nicht auffliegen können.

Warum habe ich es dann nachts gemacht? Weil ich nicht wusste, wann der Schwarm abgegangen war und wie lange er da hing. Denn so ein Schwarm bleibt nicht lange in dieser Traube hängen. Beim ersten Sonnenstrahl am nächsten Morgen hätte er weg sein können. Deshalb musste ich es sofort machen, als wir ihn bemerkten. (Anruf von meinem Mann: ” Wart mal, hier hängt irgendwas im Baum, ne Tüte oder sow…. ach du *!!”–> Für Interessierte: Wie entscheiden Bienen sich für eine neue Behausung (in englisch) Vortrag von Tom Seeley, professor of neurobiology and behavior: Honeybee Democracy

Mein Mann hat ein kleines Filmchen gemacht, von meinen Bemühungen den ersten Schwarm einzutüten, die Musik dazu hat er gleich dazu gemacht:

Man sieht schön die oben erwähnten Probleme bezüglich der Nächtlichkeit der Aktion. Nicht wenige Bienen waren neben die Kiste gefallen und ich habe mich bemüht, so viele Bienchen wie möglich einzusammeln. Normalerweise hat eine Schwarmfangkiste ein Gitter, durch das die Königin nicht hinaus passt, die Arbeiterinnen können es aber passieren. Wenn man die Königin in der Kiste hat (sie ist meist in der Mitte der Traube), dann folgt der ganze Rest freiwillig. Bis zum Abend haben sich alle Bienen in der Kiste eingefunden. Meine paar Verirrten konnten sich beim Herkunftsvolk wieder einbetteln.

Der Nacht-Schwarm 3 Wochen danach:

So sah es kurz nach dem Einsetzen der Rähmchen aus. Die Bienenmasse wusste nicht wohin min sich. Alle saßen in den Gassenreihen und starrten mich an. Drei Wochen nach dem Einfangen ist die ganze Zanderzarge ausgebaut. Sie hatten Rähmchen mit winzigen Anfangsstreifen bekommen, weil ich Kaufwachs einsparen will und weil ein Schwarm naturgemäß einen starken Bautrieb hat. Aber dass sie so schnell sind, hätte ich nicht gedacht. Es ist aber auch ein sehr starker Schwarm gewesen.

 

Noch mal zurück zur Nachtaktion: Weil es Nacht war und ich deshalb nicht ins Herkunftsvolk gucken konnte, was da los war, hielt ich mein Ohr an die Beute und hörte ein Tuten und Quäken. Das verriet mir, dass noch mehrere Jungköniginnen in der Beute waren und das deshalb die Gefahr weiterer Schwärme besteht.

Wie sich das anhört und warum das überhaupt von den Königinnen gemacht wird, kann man hier hören und lesen.

Also habe ich mir am nächsten Tag das alte Volk vorgenommen und die überzähligen Bienenköniginnen versucht zu entnehmen. Eine Geschlüpfte sah ich herum laufen, die wollte ich im Volk belassen. Alle weiteren ungeschlüpften wollte ich entfernen. Ich schnitt die Weiselzellen heraus und verteilte sie auf zwei Transportbehälter, weil ich nicht wusste, was ich mit ihnen machen sollte.

Die herausgeschnittenen Weiselzellen, aus denen unterwegs die Königinnen geschlüpft sind.

Sechs habe ich an diesem Tag heraus geschnitten. Sie schlüpften alle, sobald sie aus dem Stock waren und nicht mehr das Tuten hörten. Einige stachen sich gegenseitig ab, einige akzeptierten sich im Eimerchen. Ich nahm sie mit zum Imkerkurs um irgendein Nutzen zu generieren.

Ich dachte nun also ich hätte endlich das Problem gelöst, am nächsten Tag höre ich wieder das Tuten! Ich schnitt darauf hin noch mal 3 Weiselzellen mit schlupffertigen Königinnen aus, die auch im Anschluss schlüpften. Da sie mitten auf der Wabe lagen hatte ich sie übersehen, da die Bienenmasse sie versteckte. Eine von den Geschlüpften an diesem Tag war ganz schwarz (toll!-Dunkle Nordbiene-Gene), die habe ich auf das Anflugbrett des Nachtschwarms gelegt. Sie wurde sofort von Arbeiter-Bienen gepflegt und krabbelte in den Stock. Da war natürlich schon Eine drinnen, aber ich dachte, das sollen Die mal untereinander ausmachen. Ich weiß ja nicht, wie die Königin aussah, die mit dem Schwarm abgegangen ist, aber diese hier hat gewonnen und sie sieht sehr nach der Schwarzen aus:

Die anderen Zwei, die ich auf dem Tisch geparkt hatte sind scheinbar mit dem zweitem Schwarm aufgeflogen, der mehrere Trauben bildete.

Der Schwarm sammelt sich in einem Baum.

Ja richtig, trotz all dieser Entnahmen, war immer noch eine ungeschlüpfte Königin im Volk, so dass trotzdem noch ein zweiter Schwarm abging. Ich hörte sie, aber es regnete dann so stark, dass ich nicht weiter arbeiten konnte. Am nächsten morgen schaffte ich es nicht mehr rechtzeitig und als ich in den Garten kam, schwärmte das Volk ab. Das war ein beeindruckendes Schauspiel und sehr laut. Die Nachbarn hatten auch was davon.

Der Schwarm geht ab

Ja, warum gab es  nun 11 neue Königinnen in diesem Volk? Es war die Folge des Königinnenablegers. Das Volk wollte ja schon schwärmen und hatte dafür Weiselzellen angelegt und als die Königin von mir herausgenommen wurde, bekamen sie Stress und wollten auf Nummer Sicher gehen und hat gleich noch mal 9 Nachschaffungzellen angelegt. Das war eine schlechte Kombi. Mache ich nicht wieder.

Schwarmfang 2:

Das zweite Mal geht immer besser. Mit mehr Erfahrung ging das Einfangen vom zweiten Schwarm sehr gut. Problematisch war hier das Einlogieren in die neue Beute, weil der Schwarm mehrere Zentren bildete. Zum Vergrößern der Fotos in der Galerie einfach drauf klicken:
Der Schwarm saß recht weit oben im Pflaumenbaum. Meine Leiter reichte nicht, deshalb kam mein Nachbar mit seiner Leiter zu Hilfe und bekam ein schönes Unterhaltungsprogramm:-)
Das ganze dauert ewig….. und ist großes Kino!

Ab diesem Zeitpunkt heißt es warten denn, wenn die Königin drinnen ist, kommen die Arbeiterinnen von alleine nach. Dass die Königin oder die Königinnen sogar drinnen sind, erkenne ich daran, dass die Bienen sterzeln. Sie setzten ihr Sammel-Pheromon frei und bedeuten den anderen suchenden Arbeiterinnen, dass es hier lang geht. Bis zum Abend waren alle Bienen in der Kiste. Der kam wieder in Kellerhaft und ich musste hurtig eine weitere Unterkunft besorgen, denn ich wollte ja eigentlich nicht mehr als drei Völker haben. Hier war das Einlogieren deshalb etwas holprig, weil es am entsprechenden Tag so spät wurde, dass ich sie nicht mehr Einlaufen lassen konnte. Das hätte so sein sollen:

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https://www.youtube.com/watch?v=B8g62mGpTr0
Wie kommt der Schwarm idealerweise in die Bienenbeute?

Ja schön wär es gewesen aber ich musste es anders machen. Da Bienen immer von unten nach oben wandern habe ich die neue Bienenbehausung auf meine Fangkiste gestellt. Leider hing sich der Großteil des Schwarms an der Bausperre auf, ein dünnes Holzgitter, zwischen Boden und der Brutzarge, die verhindern soll, dass die Bienen unten an die Rähmchen anbauen. Der Abstand dazwischen beträgt vielleicht 8 cm. Ein kleiner Teil baute tatsächlich da wo sie sollten. Die Waben sind schneeweiß und sehen aus, wie Reispapier.

Schwarm 2 nach zwei Wochen:

In diese Waben hatte die Königin tatsächlich schon gestiftet. Deshalb musste ich diese Waben raus nehmen, damit die Bienen nicht darauf sitzen bleiben. Als Ersatz habe ich ihnen offene Brut aus dem Volk der Altkönigin gegeben. Das bindet sie an die neue Behausung. Die mit Nektar gefüllten Waben habe ich auf dem Boden liegen gelassen, damit sie Futter haben. Eine Woche später sieht es so im Volk aus: Unglaublich!

Die neue Königin in diesem Volk ist ganz anders gefärbt. Sie ist unglaublich schwer zu finden. Interessant ist auch wie die Bienen hier bauen, ohne die Vorgabe der Mittelwände. Die Zellen sind definitiv größer, aber auch die Anordnung ist so anders, hier sind oben große Zellen gebaut in die Drohnen passen, aber es ist nur Nektar drinnen, darunter sind normal große Zellen für Arbeiterinnen.

Der Königinnen-Ableger:

Der Königinnenableger ist schon wieder rappelvoll. Ich habe jetzt noch mal mehrere Waben aufgeteilt auf das Restvolk, aus dem alle Schwärme abgingen und auf den 2. Schwarm, denn das Volk baut immer noch Spielnäpfe. Ich weiß nicht, was das bedeutet, an mangelndem Platz kann es nicht mehr liegen. Vielleicht will es die Königin immer noch loswerden, weil es mit ihr nicht zufrieden ist. Merkwürdig ist, dass es keine richtigen Weiselzellen sind, die sind nämlich nicht mitten auf der Wabe. Das wäre ja dann eine Nachschaffung, oder eine Stille Umweiselung? Hm. Bisher zerstöre ich die Spielnäpfchen, bevor etwas hinein gelegt werden kann.

Das Volk ist in Vermehrungslaune und baut viel Drohnenbrut. So mitten in der Wabe kann ich nicht schneiden.

Und das ist mein Honigraum. Es wird langsam und ich bin schon sehr gespannt wie mein Honig wird. Schleudertermin ist in in einer Woche. Langsam kehrt wieder Friede ein in meine Bienen-Kommune und alle, mich eingeschlossen, können sich wieder entspannen.



2 Comments

  1. Hallo ,
    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich alles ansehen konnte. Mein Computer hat immerzu rumgezickt. Ich bewundere Deinen Mut, die Bienenschwärme hoch auf der Leiter aus den Bäumen zu “pflücken”. Ich hätte mich nicht getraut, auch nicht im Schutzanzug und 30 Jahre jünger :-). Ich hoffe, Deine Bienen haben jetzt vom Schwärmen genug und machen sich endlich mal an die Honigproduktion.
    Um ehrlich zu sein, habe ich mir früher um Insekten keine Gedanken gemacht, sie waren vorhanden und meistens lästig. Seit deinem Beitrag über Lichtverschmutzung letztes Jahr und die Einführung in die Welt der Honigbienen habe ich erstmal zur Kenntnis genommen, wieviele Insekten im Vergleich zu früher inzwischen fehlen und welche Konsequenzen das für uns alle hat. Infolgedessen treffe ich eine andere Auswahl, welche Blumen in meinen Garten kommen und kläre auch schon mal meine Nachbarn auf, wenn sie die ganze Nac ht unnütze Licht draußen brennen lassen. Ich weiß nicht, ob das viel hilft, aber ich denke, es macht einen -wenn auch kleinen- Unterschied.
    Ich war z.B. ganz verblüfft, über das Tuten, Quäken und Biepen der Bienen. Der Vortrag von Tom Seeley war eine wahre Freude und ich habe viel Neues gelernt. Danke für die Mühe, die Du dir mit diesem Betrag gemacht hast. Ich freue mich schon auf den nächsten.
    Liebe Grüße
    Karin

    • sas

      Juni 11, 2019 at 6:13 pm

      Hallo Mutti!
      Ahhh danke und danke und danke, das ist sehr lieb von dir. Ich freue mich wenn das, was ich schreibe irgendwo auf fruchtbaren Boden fällt. Ich wünschte ich hätte mehr Zeit um mehr guten Content zu produzieren, aber ich kriege es gerade nicht hin. Das macht mich etwas traurig, aber ich kanns nicht ändern. Tuten und quäken ist lustig oder? Freu mich auch schon, dir das nächste zu zeigen.
      liebe Grüße und danke schön, dass du mir geschrieben hast:-)

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