Bienenvolk an Varroa gestorben

Es gibt ja für alles ein erstes Mal. Dieses Mal ist mir mein erstes Bienenvolk eingegangen, so, wie es aussieht an Varroa. Ich werde immer noch nicht fertig drüber, dass mich meine Beobachtungen so getäuscht haben. Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht darum gekümmert hätte.

Ja was ist passiert? Ich kontrolliere immer schön meine Varroa-Schublade oder auch Windel, um zu sehen, wie der Varroafall ist (die Winterbehandlung steht ja noch an) und wie groß das Volk ist. Das sah leider bei allen drei Völkern, die eine Windel haben, die ich kontrollieren kann nicht gut aus. Der Varroafall ist viel zu stark für das, was ich an Behandlung durchgeführt habe und das Gemülle lässt bei 2 von 3 Völker auf eine für meinen Geschmack viel zu kleine Wintertraube schließen, und das obwohl die Völker im Sommer stark waren. Leider kann ich bis zur Winterbehandlung überhaupt nichts tun. Ein Volk, es war der zweite Schwarm, hat keine Windel, weil es in einer anderen Beutenform untergebracht wurde. Ich hatte damals kein Material mehr und musste mir ruck zuck was kaufen. Diese Beute gab es günstig und ich konnte sie sofort mitnehmen, es ist auch ein Zandermodell aber ein altes mit Nut und geschlossenem Boden ohne Gitter und Einschub für eine Windel.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191020_1228518-1024x768.jpg
Die braune Beute ist der Übeltäter.

Ich habe mir nicht vorstellen können, dass so etwas Kleines so große Probleme machen kann, aber ich habe quasi blind damit Imkern müssen. So lange man die Beute (der Temperatur wegen) noch öffnen konnte, ging es noch, ich konnte ja gucken, wie groß das Volk ist und was darin passiert. Aber Gemüllediagnose war nicht drin. Auch das Auffüttern war schwieriger. Das größte Problem war aber, dass ich nicht genug Ameisensäure-Verdunster hatte und ich mit denen, die ich hatte nacheinander rotierend arbeiten musste. Das Volk habe ich nicht mehr rechtzeitig geschafft, denn ich war ab September bis auf kleine Besuche immer auswärts. Bei den Behandelten war der Varroenfall ordentlich, es ist ein krasses Varroa-Jahr. Dannach erfolgte sogar noch mal eine Behandlung mit Thymol. Deshalb wunderte ich mich über den starken natürlichen Varroafall im Herbst.

An wärmeren Tagen im November sah ich die Bienen aus allen Beuten fliegen und war beruhigt. Aber es machte mich nervös, dass ich den Winter ohne Windel zubringen sollte. Ich wollte also an jenem Tag, von dem die Fotos stammen eine improvisierte Windel rein basteln. Dafür musste ich das Volk öffnen, weil im Hochboden noch eine Futterwanne stand. Aber ich hörte nichts, ich sah nichts, kein Bienchen kam sich beschweren. Zwei verklammte Bienchen saßen oben auf den Honigrähmchen. Das war alles sehr verdächtig und so nahm ich das Volk auseinander:

Erste Diagnose: Es gibt kein Volk mehr. Aber hübscher Naturbau. Interessant ist hier, dass der Drohnenbau oben in der Wabe ist und nicht unten, was als Standard benannt wird. Man sieht, die Bienen tun, was sie für richtig halten, und das ist nicht immer das Selbe. Hier wäre Drohnenschneiden schwierig geworden, weil die Drahtung hier verläuft.

Die Kiste ist wie eine Geisterstadt. Es ist einfach alles weg. Kein lebendes kleines Häufchen Restbienen, keine toten Bienen, keine Brut, keine Anzeichen von Krankheit, wie Durchfallspuren oder Brutkrankheiten.

Das war das einzige Brut, was im ganzen Volk noch zu finden war.

Dafür waren die ganzen Vorräte zurück gelassen worden. Normale Mengen an Honig:

Aber merkwürdig große Mengen an Pollen. Alles voll mit Pollen: So ein Bild kenne ich eigentlich nur von wenn ein Volk sich aufs Schwärmen vorbereitet. Da sagt man immer wenn der Pollen noch nicht glänzt, dann kann man das Schwärmen noch verhindern. Der Pollen hier glänzt. Aber wo hätten sie zu der Jahreszeit denn hin schwärmen sollen? Und so viel Pollen wie hier, habe ich da auch noch nicht gesehen.

Die Bienen, die ich ein und aus fliegen sah, gehörten gar nicht zum Volk sondern waren räubernde Bienen von meinem Völkern links und rechts. Überall waren ihre Spuren zu sehen: “Uffjerissen wie’n Westpaket!”

Naja, warum seine eigenen Vorräte aufbrauchen, wenn man nebenan noch was geschenkt bekommt? Da es ist der Kiste nun aber kein Volk mehr gab, was heizte, sind Bienchen, die zu lange unterwegs waren in der Beute verklammt, denn Kiste und Honig haben nur noch Außentemperatur. Das waren die Bienen, die ich oben auf den Rähmchen sah.

Hier war mal ein Brutnest, danach wurde hier nur noch Pollen gelagert.

Aber wo sind die Bienen alle hin? Meine Imkerkollegen haben gesagt, dass die Arbeiterinnen, als sie merkten, dass sie befallen und nicht mehr zu retten sind, den Bienenstock verlassen haben und sich bei den Nachbarvölkern eingebettelt haben, das würde den hohen Wiederbefall bei den durchbehandelten Völkern erklären . Oder sie mochten die Königin nicht, aber da hätten sie sich eine neue machen können, oder? Der Zeitpunkt im Jahr spricht aber gegen die Königin-Theorie. Die Reinvasion der Milbe kann aber auch durch das Räubern der anderen Völker im Stock passiert sein. Da saßen nun die ausgehungerten Milben ohne Brut und da kommt da so ein schönes Bienentaxi vorbei. Da würde ich auch aufsteigen.

Was habe ich jetzt mit der leeren Beute gemacht? Ich habe die Wabe mit den paar verbliebenen, verdeckelten Zellen raus genommen, um sie einzuschmelzen. Die Beute habe ich verschlossen, damit sie nicht weiter ausgeräubert werden kann. Im Frühjahr werde ich die restlichen Brutwaben einschmelzen. Die Honigwaben kann ich zur Notfütterung aufheben oder ich benutze sie zum Ausstatten eines gefangenen Schwarms. Die Beute, die mir aufgrund ihrer Bauweise das arbeiten so erschwert hat, habe ich ausgetauscht. Es ist jetzt eine Zander Liebig Beute, wie die anderen auch. Mit Gitterboden und Varroaschublade.

Bei der Untersuchung der Völker habe ich noch etwas unerfreuliches festgestellt: Etwas knuspert meine Bienen weg und lässt mir die Überreste da:

Diese Windel aus Holz hatte ich unter die neue Beute gestellt, wo ja gar keine Bienen mehr drin waren. Ich wollte nur verhindern, dass sie aufquillt. Ein paar Tage später dieses Bild. Wo kommen die Bienen her?

Gleiches Bild auf einer anderen Windel, nebenan. Hier sieht man aber schön Kotkrümel. Das ist das Werk einer Spitzmaus. Die Spitzmäuse tragen die Maus nur im Namen, weil sie einen ähnlichen Körperbau haben, gehören aber zu den Insektenfressern, wie Maulwürfe und Igel.

Aber woher bekommt die Spitzmaus diese Bienen? Ich verstehe es noch nicht. Ich habe gleich geguckt ob diese Beute hier ein Loch im Gitterboden hat. Hat es nicht. Wenn die Biene in der Beute wäre würden aber keine ganzen Bienen dort liegen. Sie sind zu groß für die Maschenweite. Die Spitzmaus muss sie also dorthin tragen und im Schutz, den der Zwischenraum zwischen Beute und Windel bietet verzehren. Das ist nicht mal 1 cm. Faszinierend diese Rätsel der Natur. Ich hoffe nur, ich habe nächstes Jahr auch noch Bienen.


4 Comments

  1. Hallo mein Kind,
    was fürein trauriger Beitrag. Es tut mir echt leid, dass ein Volk verschwunden ist. Wenigstens hast Du keine Faulbrut, das wäre noch schlimmer. Ich drücke Dir den Daumen, dass es wenigstens die anderen Völker in den Frühling schaffen.
    Das mit den weggeknusperten Bienen ist ja sehr spannend, wenngleich ärgerlich.
    Alles Liebe
    Mutti

    • sas

      Januar 20, 2020 at 12:17 am

      Hallo Mutti,
      die anderen 2 Völker sehen gut aus und haben jetzt auch ihre Winterentmilbung hinter sich. Ist ordentlich was runter gekommen. 1 ist ja noch zusammengebrochen, aber schreibe ich später drüber.
      Mein Imkerpate sagt, dass es gut ist, dass mir das alles schon jetzt passiert, weil ich daran schnell viel lernen kann. Man muss sich ja irgendwie trösten:-)

  2. Hallo, ich bin durch Zufall auf deiner Seite gelandet. Erstmal ein riesiges Kompliment!!!!! Die Fotos und auch deine Berichterstattung finde ich sehr informativ und profesionell.
    Ich imkere seit 2016 im Norden von Berlin.
    Auch ich habe im letzten Jahr extrem mit Varroa zukämpfen gehabt.
    Unabhängig davon hatte ich auch leider mit Vergiftung zutun und denke daher waren meine 5 Völker schon geschwächt. Anfang Oktober kam mir der eine Ableger komisch vor. Er hat im August bei der Einfütterung kaum was abgenommen. Bei einer Durchsicht stellte ich fest, dass kaum noch Bienen im Volk waren. Daher habe ich schweren Herzens entschieden das Volk aufzulösen. Bei genauer Betrachung stellte ich fest, dass viele Bienen einen viel zu kleinen Hinterleib und teilweise verkrüppelte Flügel hatten. Dummerweise kam bei mir wieder mal Mutter Terese durch. Also habe ich die restlichen Bienen samt Futterrahmen in einen anderen Ableger gehangen . Nun denke ich , dass ich somit auch gleich den Flügeldeformationsvirus mit übertragen habe. Ich bin so gespannt. Derzeit leben alle restlichen Völker noch. Am 16.Januar haben sie schon Pollen eingetragen. Hoffe es wird nicht mehr allzulange kalt damit nicht noch ein Futterabriss entsteht.
    Was ich dir eigentlich damit sagen möchte ist, sei vorsichtig wenn du die Futterwaben in ein gesundes Volk hängst,wenn du nicht sicher bist was mit deinem “verschwundenen Volk” passiert ist.
    Liebe Grüße Annett

    • sas

      Januar 20, 2020 at 12:08 am

      Hallo Annett, das ist aber lieb von dir. Danke, dass du mir schreibst. Ich freue mich immer neue Leute kennen zu lernen und mich mit ihnen auszutauschen. Es ist doch immer schön seine Imker-Nachbarn kennen zu lernen.
      Ja, mein Imkerpate hatte das auch schon gesagt, dass ich das besser nicht machen soll. Habe ich auch noch nicht gemacht. Ist nur die Notfallabsicherung. Ich weiß es nicht hundertprozentig, aber ich denke, das Flügeldeformationsvirus wird nur über die Varroa selbst übertragen. Von denen ist keine mehr am Leben. Die Leere Beute wurde schon ein paar mal in der Nacht tiefgefroren. Aber ich weiß ja trotzdem nicht genau, woran sie gestorben. Könnte ja auch was anderes sein. Aber ich habe auch Angst vor dem Futterabriss. Woran denkst du denn haben sich deine Bienen vergiftet?
      Woher weißt du, dass sie Pollen eingetragen haben? Hast du am Flugloch geguckt? Echt verrückt, wo die zu dieser Jahreszeit ihren Pollen herkriegen. Ich habe schon die merkwürdigsten Pflanzenverwirrungen gesehen dies Jahr: Ranunkelstrauch und Netzblattastern im Januar!!. War aber auch in Stadtmitte. Was blüht bei dir? Helleborus?

      Lg zurück Sas

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