Vorletzte Woche war es mit 14 Grad ja schon richtig nett, auch wenn es in der gerade vergehenden Woche wieder richtig kalt war. Erstaunlicher Weise sind meine Bienen heute aber gestern geflogen bei 7 Grad (im Schatten :-)). Vorletzte Woche, als es so warm war, waren viele Bienen unterwegs. Besonders fiel mir auf, dass sehr viele von ihnen nach Wasser suchten. In dieser Schüssel bade ich normalerweise meine Verschenke-Pflanzen nach dem Eintopfen.

Als ich wieder an die Schüssel trat wimmelte es dort vor Bienen. Zwei musste ich mit der kleinen Ziegelinsel vor dem Ertrinken retten.

Doch warum brauchen die Bienen so dringend Wasser?

Man könnte meinen, Bienen bräuchten nicht extra Wasser trinken, der Nektar ist doch Flüssig und Honig mehr oder weniger doch auch?

Wie alle Lebewesen brauchen Bienen Wasser für das Funktionieren ihres Stoffwechsels. Das Wasser ist aber nicht nur für die einzelne Biene von Bedeutung, sondern für den gesamten Bien:

Wasser zum Regulieren der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur im Stock:

Beim Auswintern ( und das ist genau jetzt) benötigt das Bienenvolk am meisten Wasser, denn der Wassergehalt der Außenluft ist aufgrund der kühlen Luft relativ gering (warme Luft kann mehr Wasserdampf halten) und die immer größer werdende Fläche des Brutnestes braucht zum Gedeihen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die relative Feuchte im Brutnest schwankt zwischen 40-60 % und im restlichen Stock zwischen 30-50 %.

Das Brutnest mit verdeckelten Arbeiterinnen.

Durch ein ausgeklügeltes System von Kühltechniken wird die Luftfeuchtigkeit im Stock gesteuert:

Droht eine Überhitzung, weichen die Bienen auf der Wabe weiter auseinander und versuchen mit den Flügeln zu ventilieren. Nimmt durch die verstärkte Luftzirklation die Temperatur nicht ab, verteilen die Bienen im Brutnestbereich Wasser. Wie tun sie das?

Das Wasser wird von ihnen in Vertiefungen auf den verdeckelten Brutzellen gelegt, als dünne Schicht auf offene Ei- und Larvenzellen, oder als hängende Tröpfchen in diese Zellen eingebracht. Durch das Verdunsten dieses Wassers entsteht eine Abkühlung.
Ferner kühlen die Bienen durch das sogenannte „Rüsselschlagen”. Dabei pressen sie einen Wassertropfen aus ihrem Mund hervor und ziehen das Tröpfchen zwischen Mandibeln und Zunge zu einem dünnen Film aus, welcher somit eine Verdunstungsoberfläche besitzt.

Quelle: http://imkerverein-buende.de/bienentraenke.html

Jetzt brauchen Honigbienen Wasser um Futtersaft herzustellen:

Honigbienen sammeln Nektar, das sind ihre Kohlehydrate und sie sammeln Pollen, das ist das Eiweiß in der Bienenernährung. Sie lagern Pollen im Stock als sogenanntes „Bienenbrot“, welches von den Ammenbienen “gefressen” wird, um es zu Nahrung für ihre Brut umzuarbeiten. Sie produzieren aus dem Pollen und Nektar einen eiweißreichen Futtersaft, mit dem sie die Larven füttern. Aber dafür benötigen sie viel Wasser, denn der Futtersaft besteht aus ca. 80% Wasser.

Wenn Tracht herrscht, die Bienen also an Blüten ausreichend Nektar sammeln können, können sie damit zwischen 30 – 90 % ihres Wasserbedarfes decken. Zurzeit gibt es, aber noch keine große Tracht, außer diverse Weidenarten, aber die Weidenblüte ist vor allem eine Pollenquelle. Zurzeit ernähren sich die Bienen und deren zunehmende Brut von den eingelagerten Vorräten. Der verdeckelte Honig enthält jedoch in der Regel unter 20% Wasser. Es muss also verdünnt werden.

Hier sieht man, wie derzeit die Konserven entdeckelt werden. Auch sehr viel Pollenabrieb ist zu sehen. Irgendwie muss ich da immer an das Krümelmonster denken:-)

Da Wasser im Stock nicht gespeichert werden kann, muss es immer fleißig hereingetragen werden. Hier ist mal eine Aufstellung des Wasserbedarfs für ein Volk in voller Bruttätigkeit:

40 000 Bienen brauchen täglich etwa 40 g Wasser. 6000 Brutzellen brauchen weitere 140 g Wasser. Für 180 g Wasser sind 18 000 Flüge zur Tränke erforderlich. Eine Wasserholerin führt 50 Ausflüge pro Tag durch. So müssen 360 Arbeiterinnen ganztägig Wasser heranschaffen.

Quelle: https://www2.hu-berlin.de/bienenkunde/index.php?id=112

Wasserholen ist gefährlich:

Derzeit fliegen die Bienen bei kühlen Temperaturen und vermutlich suchen deshalb stocknahe und vor allem sonnenbeschienene Tränken aus. Denn ohne die wärmende Sonne könnten sie verklammen. Das füllen der Honigblase, die jetzt als Wassertank funktioniert, dauert bis zu 2 Minuten. Das reicht zum auskühlen und das Wasser ist ja auch kalt. Dunkle, wassergesättigte Schlammbereiche finden die Bienen im Frühjahr besonders attraktiv: Sie werden schön erwärmt und auf festem Untergrund kann man nicht ertrinken. Offenes Wasser meiden sie dagegen offensichtlich, sie schlürfen gerne Schmuddelwasser. Wer ins offene Wasser fällt, hat verloren. Meine eigentliche Bienentränke hinterm Gewächshaus wird derzeit nicht angeflogen. Wenn es warm genug ist fliegen sie auch gerne zum Teich meines Nachbarn.

Was passiert gerade im Bienenstock?

Es wird ordentlich Pollen gemampft und umgearbeitet. Es wird sowohl eingetragen als auch auf die Vorräte zurückgegriffen. Der Abrieb stapelt sich so in der ersten Wabengasse, weil hier das “Pollenbrett” hängt. In diese Außenwabe legen die Bienen fast vollständig Pollen ab.

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Das Pollenbrett

Das Dunkle auf der Windel ist mal kein Mausekötel, es ist blau-violetter Pollen. Er stammt zu dieser Jahreszeit vom Blaustern.

Blaustern-Polle

Am 22.03. war es schön warm, da habe ich wegen der Mahnungen des Imkervereins mal rein geguckt, ganz schnell damit sie nicht auskühlen. Rechts ist eigentlich das große Volk, doch es hatte sich gerade in die Wabengassen zurückgezogen. Links das kleine Volk, das letztes Jahr so schwächelte. Das ist gerade breiter verteilt. Sinn des Reinschauens ist aktuell, zu gucken, ob sie brüten und zu kontrollieren, ob sie noch genug Futtervorräte haben. Denn während der Winterruhe verbrauchen die Bienen nur wenig Honig. Mit den Beginn des Brütens steigt der Honigverbrauch rapide an.

Bei dem großen Volk war tatsächlich der Vorrat für den Kälteinbruch zu klein. Und da es wieder für eine längere Periode kühl werden sollte musste ich etwas die Vorräte auffüllen. Das habe ich durch das Einhängen übriggebliebener Futterwaben gemacht, aus dem Volk, dass geheimnisvoll verschwunden war.

Gleichzeitig habe alte Rähmchen mit dunklem Wachs an den Rand gehängt, bzw jetzt schon entnommen. Danach habe ich einen Vortrag von einer Imkerschule gehört, der den üblichen Ansichten widersprach und meinte, dass Bienen alte Waben bevorzugen würden und das es leichter für sie wäre darauf gesund zu bleiben, weil die stärker vollpropolisiert wären und irgendwas mit Dufstoffen… hm. Aber leider hat der Vortragende keine Quelle benannt, auf die er sich stützte, das hätte ich gerne überprüft.

Brutnest 22.03.

Und dann habe ich die Brutnester in beiden Völkern angesehen. Sie sind nur Handteller-groß und auf zwei Waben. Aber ich denke, dass ist normal zu dieser Jahreszeit. Wenn es nächste Woche jetzt wieder warm wird kann ich wieder mal rein gucken und sehen, was sich getan hat.

Und wenn es ausreichend warm ist, dann sind die Bienen auch fleißig unterwegs und suchen Nektar: